CLOSE ✕
Get in Touch
Thank you for your interest! Please fill out the form below if you would like to work together.

Thank you! Your submission has been received!

Oops! Something went wrong while submitting the form

Kritik an der Kritik an Influencern - #ImproBlog

Gregor Ilg
|
Schönes Leben
|
17.6.2019

Nena Schick spricht Klartext. Die Instagram-Welt ekelt sie an. Und diesen Frust musste sie einfach mal loswerden.

Mir kommt die Instagram-Welt seit Längerem wie eine gigantische Blase vor. Oder auch ein wenig wie das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. So wie sich der Hofstaat in dem Märchen nicht zuzugeben traute, dass er keine Kleider am Körper des Kaisers sehe, traut sich heute niemand die Relevanz der Blogger zu hinterfragen.

Immerhin ergänzt sie, dass nicht jedes Instagram-Profil ein Tor zur Verdammnis sei. Es gibt offensichtlich Menschen, denen sie gerne folgt. Menschen, die studiert haben, die sich in ihrem Metièr auskennen und die mehr Wert auf Inhalte legen als auf schöne Bilder.

Ein Problem hat sie lediglich mit denjenigen, die sich selbst zu sehr in den Vordergrund rücken, die ihre Bilder inszenieren und die dafür von Luxusmarken gesponsort werden. Und mit dieser Erkenntnis hat sie offensichtlich einen Nerv getroffen. Allein auf LinkedIn wurde ihr Beitrag mehr als 300 mal kommentiert. In der Regel sehr zustimmend. Teilweise verstärkend. Mitunter wurde eine gesamte Generation infrage gestellt und der Untergang Deutschlands prognostiziert.

Messen mit zweierlei Maß

An dieser Stelle muss jedoch die Frage erlaubt sein, welche Maßstäbe hier angelegt werden. Influencer sind Teil der Unterhaltungsindustrie. Genauso wir Musiker, Filmstars und Profisportler.

Sind diejneingen, die sich heute über Rezo oder Dagi Bee aufregen vielleicht dieselben, die irgendwann mal Michael Jackson, Brad Pitt oder Steffi Graf zugejubelt haben. Sind alle Generationen vor den Millenials ohne Idole aufgewachsen? Idole, die teilweise sehr viel größere Narzissten waren, als die Durchschnitts-Youtuber heute. Haben Luxusmarken noch nie mit Testimonials zusammengearbeitet, von denen sie sich einen direkten Draht zu den Konsumenten von morgen versprachen?

Dass es in der Unterhaltungsindustrie Narzissten gibt, ist keine neue Erkenntnis. Die meisten Menschen, die über einen längeren Zeitraum mit viel Aufmerksamkeit bedacht werden, haben narzistische Tendenzen oder entwickeln diese. Man muss das nicht gut finden, aber ohne Narzisten wäre die Unterhaltungsbranche vermutlich um einiges langweiliger. Warum wird das nun plötzlich so viel stärker thematisiert, wenn es in den sozialen Medien stattfindet und nicht auf der großen Leinwand oder im Stadion?

Teil der Unterhaltungsindustrie

Der einzige Grund, warum Fußballer zweistellige Millionenbeträge im Jahr verdienen, ist der, dass Menschen gerne dabei zusehen, wie sie Fußball spielen. Sie haben eine Fähigkeit perfektioniert, die nur sehr wenige andere in der Form perfektioniert haben. Der Erfolg basiert auf einer Mischung aus Talent und sehr viel persönlichem Aufwand. Tägliches Training. Wettkampf. Umgang mit Kritik. Persönliche Inszenierung. Ja, auch die, die als authentisch wahrgenommen werden, sind nur dann sehr erfolgreich, wenn diese Authentizität beim Publikum verfängt. Bestes Beispiel hierfür sind Ikonen wie Stefan Kretzschmar oder Jürgen Klopp.

Aber was haben die eigentlich geleistet? Haben die studiert? Völlig egal. Sie haben sich in ihrer Zielgruppe einen Namen gemacht. Durch sportliche Leistungen, durch witzige Kommentare in Pressekonferenzen oder durch kontroverse Aussagen zu fachfremden Themen. Und sie machen Werbung. Jürgen Klopp für SUVs. Der Klimawandel lässt grüßen. Stefan Kretzschmar für Vodka. Hallo Jugendschutz. Wo bleibt hier der kollektive Aufschrei zum Niedergang einer Generation. Warum gibt es hier keinen Rundumschlag gegen die Sportwelt? Die Shitstorms in der klassischen Unterhaltung sind sehr differenziert. Da wird schön säuberlich auf dem Müller rumgehackt. Nicht auf der gesamten Fußbalbranche.

Influencing ist ein Vollzeitjob

Angenommen ich käme auf die grandiose Idee, einen erfolgreichen Instagram Channel aufzubauen. Ich würde damit beginnen, Fotos zu posten und die Resonanz genau beobachten. Das, was das Publikum als unterhaltsam wahrnimmt, würde ich verstärken. Alles andere reduzieren. Dabei würde ich versuchen meine persönlichen Fähigkeiten und Talente bestmöglich einzusetzen. Und wenn ich herausfinden würde, dass Bilder mit freiem Oberköprer am Strand die beste Resonanz hervorrufen, dann würde ich diesen Aspekt weiter ausbauen. Genau wie Musiker*innen sich auf Pop konzentrieren, Schauspieler*innen auf Komödien und Fußballer*innen auf Schwalben im Strafraum. Was auch immer ihnen den meisten Erfolg beschert. Und irgendwann, wenn sie finanziell einigermaßen abgesichert sind und es sich leisten können, fangen sie wie in jedem anderen Job auch an, darüber nachzudenken, ob ihre Tätigkeit zu ihren Werten passt. Dann werden die Songs pädagogisch wertvoll und ein Teil des Geldes wird in Charity investiert.

Aber bis es soweit ist, entscheidet das Publikum, was unterhaltsam ist und womit man Erfolg hat. Und dabei sollte auf keinen Fall übersehen werden, wieviel Aufwand dahinter steckt, ein erfolgreicher Influencer zu werden. Es ist nicht so, dass man sich hinsetzt, ein paar Selfies schießt und über Nacht 1 Million Follower hat. Man muss sich diese Art der Aufmerksamkeit erarbeiten, Genauso wie erfolgreiche Musiker*innen, Comedians, Sportler*innen oder Schauspieler*innen. Die allermeisten haben die Ochsentour hinter sich. Sie haben vor halbleeren Hallen gespielt und wurden ausgebuht. Über die sozialen Medien ist der Weg vielleicht ein anderer, aber der Aufwand ist vergleichbar. Wer nach wie vor skeptisch ist, dem möchte ich das Interview mit Mirella Precek bei Frank Eilers' Arbeitsphilosophen-Podcast wärmstens empfehlen.

Ein bisschen mehr Respekt

Genauso wie es Leute gibt, die mit Fußball nichts anfangen könne, gibt es Leute (inklusive mir) die sich nicht für Makeup-Tipps oder Strandselfies interessieren. Das ist jedoch kein Grund, sich moralisch über die gesamte Influencer-Branche zu erheben. Es ist Unterhaltung. Es hat seine Daseinsberechtigung. Und es gibt qualitative Unterschiede. Es ist nicht der Untergang des Abendlandes und es führt nicht zur Verdummung unserer Jugend. Zumindest nicht mehr als die Beatles oder die Simpsons zu ihrer Zeit.

Und was hat das Ganze jetzt mit einer schönen Zukunft zu tun. In meinen Augen geht es um Wertschätzung. Influenzer sind Inluenzer, weil sie etwas erschaffen, was andere Menschen unterhält. Niemand sollte sich das Recht rausnehmen, darüber zu urteilen, was unterhaltsam ist und was nicht. Ein Foto wird nicht dadurch besser oder schlechter, dass die Fotografin studiert hat.


Gregor Ilg
Jeden Tag die Welt verbessern. Zumindest für irgendjemanden. Zumindest ein bisschen. Blogger für eine zukunftsfähige Welt
Sehr interessant. Halt mich auf dem Laufenden!

Kürzlich erschienene Beiträge

Die Future Proof Company

Wie man die digitaleTransformation nutzt, um ein echtes New-Work-Startup zu gründen

E-Book "MENSCHpunktNULL" kostenlos herunterladen