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Einfach mal machen: Mit unseren Kindern auf Weltreise

Gregor Ilg
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Schön Reisen
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16.5.2019

Wenn Leute zu uns sagen: “Das ist aber mutig”, bekomme ich manchmal das Gefühl, dass sie auch ein kleines bisschen von sich selbst sprechen. Vor gut einem Jahr habe ich anlässlich des Sabbaticals einer Kollegin ausgerechnet, dass eine Weltreise preiswerter ist als ein Kleinwagen (“Zeit ist das neue Geld”). Und dieses Jahr verkaufen wir selbst unser von den Kindern liebevoll Nissi getauftes Auto und machen uns selbst auf den Weg.

Wie die meisten anderen auch, können wir Hamsterrädern nicht viel abgewinnen.

Und trotzdem gibt es eigentlich keinen Grund, warum wir die Vorstadtidylle verlassen sollten. Ganz im Gegenteil. Zum perfekten Spießerdasein fehlte eigentlich nur noch ein Hund.

Ich kann mit diesem YOLO nicht viel anfangen. You only live once. Was soll das? Auf der anderen Seite konnte bis jetzt noch nicht einwandfrei widerlegt werden, dass man nur einmal lebt. Es ist also vermutlich nicht ganz ungeschickt, sich hin und wieder einmal damit auseinanderzusetzen, was man mit seinem Leben so anfangen möchte.

Mit 15 kam ich auf die Idee, ein Austauschjahr in den USA zu verbringen. Wie ich Jahre später erfuhr, war meine Mutter nicht unbedingt begeistert von der Vorstellung, dass ich meine Pubertät in 8.000 km Entfernung bei Wildfremden verbringen sollte. Zu einer Zeit als es weder E-mails noch Handys gab.

Von daher rechne ich es meinen Eltern hoch an, dass sie mich in diesem Vorhaben unterstützt haben. Die einzige Bedingung war, dass ich mich selbst um alles kümmern sollte. Das tat ich und verbrachte dann ein sehr prägendes Jahr in Rockford, Michigan. Ich hatte mich damals entschieden, es einfach durchzuziehen. Und ich habe diese Entscheidung nie bereut. Ich bilde mir gerne ein, dass diese Erkenntnis die Einstellung in mir gefestigt hat, dass ich mein Leben selbst gestalten kann. Dass ich es selbst in der Hand habe. Und dass man die Dinge manchmal “einfach mal machen” muss. Wenn ihr also demnächst mal wieder vor einer kniffligen Entscheidung steht, zieht es einfach durch. Die Welt braucht mehr Ja-Sager.

Einfach mal gemacht

Hier sind übrigens noch ein paar Projekte, zu denen ich mit fast schon unangemessener Naivität einfach “Ja” gesagt habe:

  • Weil keine Filmhochschule mich haben wollte, gründete ich mit ein paar Studienkollegen Watt*Volta Productions und wir fingen an selbst Kurzfilme zu produzieren. Mit überraschendem Erfolg bei einschlägigen Kleinkunstfestivals.
  • Nach einem Kreuzbandriss durfte ich ein halbes Jahr lang keinen Sport machen. Da es zu diesem Zeitpunkt kein Handball Videospiel für die Playstation gab, gründete ich gemeinsam mit einem Kommilitonen Neutron Games undfünf Jahre später brachten wir IHF Handball Challenge 14 selbst auf den Markt. Die Bewertungen waren eher durchschnittlich, aber es gab immerhin noch drei Folgeversionen, bevor wir uns aus wirtschaftlichen Gründen umorientierten.
  • Im Juli 2013 hatte ich dann ein Bewerbungsgespräch bei meinem heutigen Arbeitgeber etventure. Einer der Gründer, Philipp Depiereux, erzählte mir von ihrer Philosophie, neue Ideen “einfach mal zu machen” anstatt lange das Für und Wider abzuwägen. Da musste ich dann auch nicht mehr viel abwägen. Und bin nun seit sechas Jahren an Bord.

Mir war immer bewusst, dass alle diese Karriere-Experimente keinen nachhaltig negativen Einfluss auf mein Privatleben haben würden. Das Risiko war überschaubar. Im Fall eines Scheiterns gäbe es eben wieder öfter Nudeln mit Tomatensauce und weniger Italiener. Aber dieses Mal ist es anders. Dieses Mal ist “einfach mal machen” nicht einfach nur ein weiteres Experiment, sondern ein Jahr unseres Lebens.

Mehr als nur ein Experiment

Ab August 2019 werden wir unserem Alltag den Rücken kehren und Deutschland für 11 Monate verlassen. “Wir” das sind meine Frau Franzi, unsere beiden Töchter Lenchen (10 Jahre) und Elisa (5 Jahre) ud ich. Und es ist für uns überhaupt nicht greifbar, was uns erwartet und was das für unser zukünftiges Leben bedeutet. Allein die Planung dieser Weltreise hat für uns schon so sehr verändert, dass es uns fast ein bisschen Angst macht.

Im November 2016 habe ich durch Zufall das Buch 1 Million Minuten entdeckt, in dem der Autor, Wolf Küper, anekdotisch beschreibt, wie er mit seiner Familie für 2 Jahre um die Welt gereist ist. Er  beschreibt die Ängste, die ihn beschäftigt haben. Aber auch die großartigen gemeinsamen Erlebnisse und wie diese Auszeit ihre Einstellung zum Leben verändert hat.

Vor diesem Buch hatten wir uns nie ernsthaft mit dem Thema Weltreise auseinandergesetzt. Im Sommer fuhren wir üblicherweise ins Ferienhaus meiner Großeltern nach Rügen. Im Winter ab und zu mal in die Berge. Und im Herbst nach Dänemark. Das hat jahrelang hervorragend funktioniert. Wir haben nichts vermisst. Und plötzlich war da diese Stimme im Hinterkopf, die immer wieder fragte? Na, so eine Welt hat man ja auch nicht so oft. Willste nicht vielleicht doch mal ein bisschen rumschauen, was es sonst noch so gibt?

Franzi, die das Buch auch gelesen hatte, ging es ähnlich. Wir begannen uns intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Wir entdeckten mehr Bücher von reisenden Familien. Wir stolperten über Reiseblogs. Und Instagramprofile. Und Youtube Kanäle. Und es dämmerte die Erkenntnis in uns: andere haben es auch durchgezogen. Es geht also. Man muss es nur einfach mal machen... (Ein paar unserer Inspirationen findet ihr hier)

Wir setzten uns hin und erstellten eine Liste aller Dinge, die wir erledigen müssten, um diesen Traum umzusetzen. Und es wurde eine sehr lange Liste: Sabbatjahr beantragen, Lenchen von der Schule befreien, impfen, Visa prüfen, sparen, Haus vermieten, Auto verkaufen, Route festlegen, Nachsendeauftrag einrichten, neuen Reisepass besorgen und einen internationalen Führerschein und eine Auslandskrankenversicherung und vernünftige Rucksäcke und so weiter und so fort. Als wir fertig waren, schauten wir auf die Liste an und dachten uns: wie soll man das alles hinkriegen? Aber dann schauten wir uns die einzelnen Punkte separat an. Jeder für sich genommen war machbar und wir hatten ja damals noch eine Menge Zeit.

Zwischen Weihnachten und Silvester 2016 entschieden wir uns, dass wir die Sache durchziehen würden. Wir würden alles dafür tun, um dieses Abenteuer für uns und unsere beiden Mädels zu ermöglichen.

Verunsicherung

Natürlich gab es trotz allem immer wieder Verunsicherungen. Ist das finanziell machbar? Kommen unsere Kinder damit zurecht? Wie funktioniert das mit dem Schulstoff? Was sagen Freunde und Familie? Sind wir zu egoistisch? Und gerade in den letzten Monaten kamen mit den Diskussionen um Nachhaltigkeit und Klimawandel noch ganz andere Aspekte dazu, die wir anfangs gar nicht auf dem Schirm hatten. Wenn man sonst immer nur nach Rügen fährt, beschäftigt man sich nicht so viel mit dem CO2-Ausstoß von Flugreisen. Wie können wir es mit unserem Gewissen vereinbaren, dass wir in einer Zeit, in der Jugendliche wöchentlich für den Klimaschutz und ihre Zukunft auf die Straße gehen, zu viert innerhalb von einem Jahr mindestens fünf Langstreckenflüge bestreiten würde? Unsere bis dahin ganz okaye Klimabilanz wäre damit auf einen Schlag im Eimer.

Allein der Gedanke an diese Reise veränderte uns. Plötzlich stellten wir unser schön geregeltes Spießerleben infrage. Das letzte Auto, welches wir uns gekauft haben, war ein SUV. Wir aßen fast täglich Wurst oder Fleisch. Wir kümmerten uns nicht darum, wieviel Plastikmüll wir produzierten. Uns war es egal ob der Käse Bio oder von JA oder aus Spanien war. Wir waren nicht sonderlich politisch interessiert. Und wir haben nicht darüber nachgedacht, ob wir dieses neue T-Shirt oder jenes technische Gadget wirklich brauchten. Und in den sozialen Medien waren wir nur hin und wieder als Zaungäste unterwegs.

Vieles hat sich in der Hinsicht schon jetzt geändert. Wir haben uns geändert. Wir leben bewusster. Mitunter ist es uns fast peinlich, wenn wir uns nur teilweise ironisch selbst als Ökis bezeichnen. Neulich sind unsere beiden Mädels nach einem Spaziergang noch einmal bewaffnet mit Plastiktüten, Roller und Handschuhen losmarschiert, um den Müll einzusammeln, den wir unterwegs gesehen haben. Wir versuchen niemanden zu missionieren und gehen mit unseren geänderten Ansichten nicht hausieren. Glauben wir zumindest. Aber falls ihr uns persönlich kennt, tretet uns bitte gegen das Schienbein, wenn wir nerven.

Ganz automatisch beschäftigten wir uns damit, wie wir eigentlich leben wollen und was uns wichtig ist. Aus diesen Gedanken heraus ist dieser Blog entstanden. Wir möchten gerne dazu beitragen, eine lebenswerte, schöne Zukunft zu gestalten. Nicht nur für uns persönlich. Aber irgendwo muss man ja anfangen.

Und jetzt?

Die Auszeit möchten wir nutzen, um diesem Ziel wenigstens gedanklich etwas näher zukommen. Ich möchte dokumentieren, was wir erleben und was uns beschäftigt. Einfach um die Gedanken zu ordnen. Und um zu erfahren, was andere davon halten und welche Ideen es noch da draußen gibt. Ich kann aktuell nicht sagen, wie genau das aussehen wird. Ich habe Franzi versprochen hin und wieder einen Reisebericht zu verfassen. So wie damals die “8 Dinge, die bei einer Wohnmobilreise plötzlich Spaß machen” oder “3 Dinge, die einen Familienurlaub auf Madeira besonders machen.” Das sind schöne Erinnerungen.

Aber ich werden auch die Tradition meines ersten Blogs futureproofworld.com weiter hochalten und über Sachverhalte schreiben, die mir wirklich, wirklich wichtig sind. Eine kritische Auseinandersetzung mit persönlichen und gesellschaftlichen Werten. Und vielleicht ein paar Ideen, wie es nach der Reise weitergehen wird.

Wenn ihr Lust habt, meldet euch für den Newsletter an. Schickt uns eure Fragen oder eigene Ideen. Und schaut hin und wieder hier vorbei. Könnte interessant werden.


Gregor Ilg
Jeden Tag die Welt verbessern. Zumindest für irgendjemanden. Zumindest ein bisschen. Blogger für eine zukunftsfähige Welt
Sehr interessant. Halt mich auf dem Laufenden!

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